Texte - Reportage

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LKA-Beamte suchen in Eisenach nochmal nach Spuren, die Aufschluss über die Todesursache von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt geben © Stefan Doblinger


Das Rätsel von Eisenach


Der Tod der beiden NSU-Terroristen Böhnhardt und Mundlos gibt Rätsel auf. Die beiden sollen sich erschossen haben, nur hörten Anwohner keine Schüsse. Das LKA suchte am Wochenende nochmals nach Spuren. Von Stefan Doblinger und Holger Witzel

Mehr als zwei Wochen nach dem Tod von Uwe Mundlos (38) und Uwe Böhnhardt (34), die sich in einem Wohnmobil in Eisenach erschossen haben sollen, geben die Umstände ihres Todes den Ermittlern offenbar weiterhin Rätsel auf. An diesem Wochenende sicherten Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) Thüringen noch einmal Spuren in dem Neubaugebiet, wo das Wohnmobil nach dem letzten Bankraub am 4. November von Polizisten entdeckt wurde.

Nach der bisher bekannten offiziellen Darstellung hatten die beiden Männer nach einem Überfall auf eine Sparkasse in Eisenach das Wohnmobil gegen 11.30 Uhr angezündet und sich erschossen. Zwei Polizeibeamte hätten sich zuvor dem verdächtigen Wohnmobil genähert und zwei Schüsse gehört. Während sie in Deckung auf Verstärkung warteten, ging das Wohnmobil in Flammen auf. Die Feuerwehr musste erst löschen, dann fand die Polizei Mundlos und Böhnhardt mit tödlichen Schussverletzungen.
"Schüsse sind keine gefallen, das hätte ich gehört"

Im Gegensatz zu dieser Darstellung haben die meisten Anwohner und Augenzeugen die ersten Polizisten zwar kommen und das Wohnmobil brennen sehen, aber weder davor noch danach Schüsse gehört. Lediglich eine Familie hatte gegenüber der Polizei von drei Schüssen gesprochen. Eine Frau, die nicht einmal zehn Meter vom letzten Standort des Wohnmobils wohnt, nahm durch ihr geöffnetes Fenster den Geruch von verbranntem Plastik wahr. "Schüsse sind aber keine gefallen, das hätte ich gehört", sagt sie. Unter ihrem Fenster und in den Kellerfensterschächten des Hauses suchten LKA-Beamte an diesem Sonntag noch einmal mit Metallsuchgeräten nach einem Projektil. Offenbar ist einer der Todesschüsse oder ein dritter Schuss in der Wand des Hauses gelandet, der dort auch den Putz beschädigt hat. Bis Sonntagmittag fanden die Polizisten nichts und zogen wieder ab.
War Beate Zschäpe vor Ort dabei?

Am vergangenen Freitag hatte die Generalbundesanwaltschaft noch erklärt, nach einer vorläufigen Obduktion sei die Mitwirkung einer dritten Person an der Tötung ausgeschlossen, aber noch nicht vollständig geklärt, was sich im Wohnmobil an jenem Freitagmittag zugetragen habe. Berichte von einer dritten Person, die kurz vor dem Eintreffen der Polizei das Wohnmobil verlassen haben soll, verstummen im Eisenacher Neubaugebiet Wartburgblick dennoch nicht.

Anwohner haben nach stern-Informationen bei der Polizei zudem ausgesagt, sie hätten am Tag danach eine verwirrte Frau vor Ort beobachtet, die sie auf Fotos als Beate Zschäpe identifizieren konnten. Sie sei dann wieder in ein Auto gestiegen und davon gefahren. Während Ermittler bei dem brennenden Wohnmobil auch eine mögliche Fernzündung per Handy untersuchen, gehen Anwohner inzwischen davon aus, Mundlos und Böhnhardt seien schon tot gewesen, als das Wohnmobil erneut in ihrem Wohngebiet geparkt und schließlich angezündet wurde. Es hatte dort schon in der Nacht zuvor gestanden und war am frühen Morgen nur etwa eine Stunde nicht da.
Von Stefan Doblinger und Holger Witzel

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Was macht eigentlich

         ... Birgit Breuel?

Die Tochter aus hanseatischer Kaufmannsfamilie und CDU-Politikerin leitete als Generalkommissarin die Organisation der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover.

Seit die Weltausstellung 2000 zu Ende ging, hat man kaum mehr etwas von Ihnen gehört. Warum?

Nach der Expo habe ich mich selbst privatisiert und nach über 20 Jahren intensiver Arbeit in öffentlichen Ämtern ein neues Kapitel meines Lebens begonnen.

Sie haben sich früher nicht immer die leichtesten Jobs ausgesucht - Finanzministerin in Niedersachsen, Treuhand-Chefin, später dann Leiterin der Expo. Gab es keine dankbareren Aufgaben?

Alle drei Ämter habe ich aus innerer Überzeugung wahrgenommen. Als Landesministerin bieten sich viele Möglichkeiten, eigene politische Vorstellungen zu verwirklichen. Die Treuhand hatte nach der wunderbaren Wiedervereinigung Deutschlands die gewaltige historische Aufgabe, eine ganze Planwirtschaft in eine soziale Marktwirtschaft zu überführen - eine Voraussetzung für das Zusammenwachsen von Ost und West. Die Expo bot die Chance, nachhaltiges Denken zu fördern und unser Land der Welt als sympathischen Gastgeber zu präsentieren.

14 Jahre ist es her, dass die Treuhand ihre Arbeit eingestellt hat. Eine Bilanz?

Für mich war das Wichtigste, dass wir um jede einzelne Firma gerungen haben. Das hat die Öffentlichkeit leider oft anders wahrgenommen. Bei allen schmerzlichen Entscheidungen, die wir treffen mussten, stehe ich zu dieser Arbeit. Natürlich haben wir auch Fehler gemacht, von denen jeder einzelne zu bedauern ist. Aber wir mussten gerade am Anfang schnell entscheiden, um den Firmen und den Menschen zu helfen. Wenn ich heute die neuen Länder besuche, finde ich nicht nur eine gute Infrastruktur, sondern auch eine in weiten Teilen gute Wirtschaftsstruktur vor.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag bei der Treuhand erinnern?

Karsten Rohwedder begrüßte mich mit den Worten: "Willkommen, Sie haben kein Büro, keine Mitarbeiter, aber sechs Säcke Post im Keller." Die ersten Tage hatte ich jede halbe Stunde ein Gespräch mit Unternehmensberatern aus ganz Deutschland, die ich einstellen konnte. Jedem war gesagt worden: "Bringen Sie Ihre Zahnbürste mit." Wenn sie gut waren, habe ich sie auch sofort genommen. Am nächsten Tag rief ich dann den jeweiligen Arbeitgeber an und sagte: "Der kommt nicht wieder."

Das größte Versäumnis?

Dass wir uns nicht genügend um die Industrieforschung gekümmert haben.

Und heute …

… kümmere ich mich um meinen Mann, meine drei Enkel und um unsere Stiftung. Außerdem liebe ich Gartenarbeit - und das war es. Erstaunlicherweise geht es mir gut dabei. Meine Familie hätte mir das übrigens nie zugetraut.

Ihre Stiftung, wofür engagiert die sich?

Mein Mann und ich haben die Philip Breuel Stiftung im Namen unseres 1990 verstorbenen Sohnes Philip gegründet. Er war bildender Künstler und hatte den Traum, mit Kindern, die es schwer haben, künstlerisch zu arbeiten. Wir wollten das, was ihm vorschwebte, in diese Familienstiftung einbringen: Kinder aus sozialen Brennpunkten und schwierigen Familienverhältnissen haben in unseren Kinderkunstklubs die Chance, ihrem Leben einen Schubs für eine bessere Entwicklung zu geben. Sie sollen durch kreative Arbeit Selbstvertrauen gewinnen, damit sie dann auch in der Schule besser bestehen können, bessere Abschlüsse erreichen und die Integration in unsere Gesellschaft aus eigener Kraft schaffen können.

Interview: Stefan Doblinger

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Vom Qualitätszirkel-Chat bis zur Online-Ernährungsberatung
Hausarztpraxis interaktiv


Bereits knapp 90 % der unter 40-Jährigen nutzen das Internet mindestens gelegentlich, ergab die ARD-ZDF-Online-Studie 2009. Für die Praxen bedeutet das: Es ist höchste Zeit, zumindest eine attraktive Homepage zu pflegen. Noch besser, da zukunftsträchtiger, wäre es, sich auch mit den interaktiven Kommunikationsmöglichkeiten im Web zu beschäftigen und sie sich zunutze zu machen: für den Austausch mit Kollegen im Ärztenetz oder Qualitätszirkel sowie im Rahmen der Patientenversorgung.

Lizenzfreie Software einsetzen
Ein kostengünstiges und vor allem sicheres Werkzeug hierzu stellt freie, sogenannte Open-Source-Software dar. Diese Programme unterliegen keinen Nutzungs- beschränkungen, dürfen also beliebig kopiert, verbreitet, genutzt und verändert werden. Wer auch praxisintern solche freien Anwendungen nutzt, z. B. für die Textverarbeitung, kann damit den ein oder anderen Euro sparen (s. Übersicht auf der nächsten Seite).

Webbasierter Austausch mit Kollegen
Um möglichst einfach in die interaktive Kommunikation einzusteigen, bietet sich die Vernetzung mit Kollegen aus dem Qualitätszirkel oder Praxisnetz über ein Internetportal an. Dies lässt sich ebenfalls mit Open-Source-Lösungen realisieren. Nicht immer ist ja ein persönlicher Kontakt nötig – oft ist es ausreichend und zeitsparender, im Chat, via Videokonferenz oder in einem Forum zu kommunizieren. Das gilt auch für medizinische Fachangestellte kooperierender Praxen. Sie tauschen ja fast noch häufiger als ihre Chefs Informationen aus – bisher meist per Telefon, Fax oder E-Mail. Diese Kommunikation kann ebenfalls über das Portal laufen und dokumentiert werden. Ein großer Vorteil dieser Lösung ist der sichere Austausch in einem geschützten Bereich.

Digitale Unterlagen gemeinsam nutzen
Hat sich der „virtuelle Draht“ zwischen den Praxen eines Netzes oder Zirkels eingespielt, lässt sich das Portal nach und nach je nach Vorlieben und Notwendigkeit um weitere Funktionen erweitern, z. B. zum Austausch von Dateien, zum gemeinsamen Erstellen von Dokumentationen oder um Schulungs- und Lerninhalte, Linklisten, Glossare, Patientenbefragungen etc. allen zugänglich zu machen. Denkbar wäre auch, dass die Praxen über das geschlossene Internet-System gegenseitig Termine vergeben und reservieren können, ohne in die praxisinterne Terminkoordination direkt einzugreifen. Natürlich könnte sich jedes Team auf dem Portal auch einen eigenen Bereich für die interne Kommunikation einrichten – oder auch einen eigenen geschützten Raum für den Austausch mit einer Praxis, mit der man besonders eng zusammenarbeitet.

Bedienerfreundlich und kostengünstig
Da die technische Infrastruktur in den Praxen erfahrungsgemäß sehr unterschiedlichist, sollten die technischen Anforderungen für dieses System denkbar gering gehalten werden, sich z. B. auf einen internetfähigen Computer mit einem aktuellen Browser, ggf. DSL-Verbindung, beschränken. Jeder Internetnutzer sollte die Funktionen bedienen können. Auch die Ausgabenseite ist natürlich wesentlich und hängt davon ab, ob das Portal aus den eigenen Reihen (Familie, Freunde, Mitarbeiter) gestaltet werden kann oder ob es „zugekauft“ werden muss: Welche Kosten schlagen für die Installation und Konfi guration sowie für Service und Support zu Buche? Lassen sie sich refinanzieren, im besten Fall sogar noch zusätzliche Erträge erwirtschaften? Letzteres wäre durch eine Portal-Lösung denkbar, die die Ärzte bei betreuungsaufwendigen IGeL-Angeboten wie Raucher oder Ernährungsberatung unterstützt*.

Beispiel: Portal begleitet adipöse Kinder
Ein Beispiel dafür, wie Internetportale für die Nachsorge von Patienten, quasi als begleitendes Coaching, eingesetzt werden können, ist www.generation-chips.de.
Dieses Angebot hat der gemeinnützige Verein „fatwatch.de“ i. G. mit Unterstützung des sozialpädiatrischen Zentrums der Berliner Charité ins Leben gerufen. Adipöse Kinder und Jugendliche sollen nach einem stationären Reha-Aufenthalt über das Internet medizinisch, psychosozial, ernährungswissenschaftlich und bewegungs- therapeutisch weiterbegleitet werden. In Einzelgesprächen oder Videokonferenzen können sie mit einem Therapeuten individuelle Probleme besprechen. Durch den zugangsgeschützten Raum ist ein unbelasteter Austausch gewährleistet. So können sie sich auch mit ihrer Gruppe aus der Klinik oder einzelnen Jugendlichen
im Netz treffen. Pilotprojekte zeigten bereits, dass diese Form der Nachsorge Erfolg verspricht. Eine Therapie kann sie natürlich nicht ersetzen.

Stefan Doblinger


 
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